Was bisher geschah – Teil 6: Die Begutachtung

Der letzte Beitrag endete damit, dass mein Rechtsanwalt den Werksvertrag mit der Werkstatt kündigte. Die Herausgabe der zu Beginn der Restaurierung vereinbarten Foto-Dokumentation wurde jedoch von der Werkstatt genauso abgelehnt wie eine genaue Aufstellung, wann welche Arbeiten durchgeführt wurden. Stattdessen wurde eine „Leistungsstandsfeststellung“ angeboten.

Dafür wurden uns drei Termine angeboten. Da ich die durchgeführten Arbeiten nicht alleine bewerten wollte, suchte ich nun nach einem Gutachter, den ich schließlich durch Empfehlung eines Freundes fand. Als Termin wurde der 26. Juni 2026 vereinbart.

Beim Termin waren dann zunächst mein Rechtsanwalt, meine Frau und ich sowie der Werkstattinhaber, seine Frau – in der Firma zuständig für die Buchhaltung – und ein von der Werkstatt bestellter Gutachter anwesend. Mein Gutachter verspätete sich um einige Minuten, was für eine schon als aggressiv zu bezeichnenden Haltung bei der Frau des Werkstattinhabers sorgte. Als Ergänzung zu meinen vorherigen Beiträgen: Der gesamte Schriftverkehr mit der Werkstatt erfolgte zunächst mit dieser Frau, und erst seit der Kündigung des Werksvertrages mit einem Rechtsanwalt der Werkstatt.

Man drängte uns dazu, die Leistungsstandfeststellung ohne unseren Gutachter zu beginnen und ließ sich nicht darauf ein, einen kurzen Moment zu warten. Das Fahrzeug befand sich in der Tiefgarage der Werkstatt, und die Voraussetzungen für eine wirklich genaue Begutachtung waren nicht gegeben – es war dunkel, der Boden war nass, und natürlich stand das Fahrzeug nicht auf einer Hebebühne, was für die Begutachtung des Unterbodens hilfreich gewesen wäre.

Wir begannen also die Besichtigung und fotografierten das Fahrzeug, mein Gutachter stieß kurz darauf dazu und begann, so weit es unter den gegebenen Umständen möglich war, seine Begutachtung. Währenddessen gab es immer wieder stichelnde Kommentare des von der Werkstatt bestellten Gutachters, die ich bestmöglich ignorierte (Beispiel: „Na, ist ihnen nach acht Jahren plötzlich eingefallen, dass ihr Auto hier noch steht?“).

Immerhin stellte sich heraus, dass sich seit meinem spontanen Besuch im Dezember und unserer Fristsetzung etwas getan hatte. Das Fahrzeug war gereinigt worden, die Karosseriearbeiten waren nun augenscheinlich abgeschlossen. Der Unterboden war zum Missfallen meines Gutachters mit Unterbodenschutz auf Wachsbasis behandelt worden – das erschwert zum einen die Kontrolle der Reparaturen am Unterboden, zum anderen eventuelle spätere Nacharbeiten. Alle (noch vorhandenen) Ersatzteile waren wild im Innenraum gestapelt, was besonders für restaurierte Ledersitze eher suboptimal ist.

Insgesamt bescheinigte mein Gutachter aber vorbehaltlich einer eingehenderen Untersuchung auf einer Hebebühne, dass die ausgeführten Arbeiten fachgerecht ausgeführt worden seien und keine auffälligen Fehler zu erkennen seien. Allerdings würde seine Begutachtung auch dadurch erschwert, dass eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Positionen (durchgeführte Arbeiten, Arbeitszeiten, Ersatzteilbeschaffungen, durchlaufende Posten etc.) fehlte. Verwundert war er auch darüber, dass sich die präsentierten Arbeiten über fast 8 Jahre hingezogen hätten.

Im Anschluss wurde uns mitgeteilt, dass die Herausgabe erst nach Begleichung einer noch zu erstellenden Schlussrechnung erfolgen würde. Und auch das zog sich wieder hin: In der ersten Rechnung am 3. Juli 2026 (datiert auf den 19. Juni, also noch vor der Leistungsstandfeststellung) fehlte die Verrechnung mit bereits gezahlten Vorschusszahlungen vollständig, in der Korrektur waren die Vorauszahlungen und der Restbetrag erwähnt, aber die Beträge nicht lesbar. Irgendwann (genauer: am 28. Juli 2026) bekamen wir eine (halbwegs) lesbare Rechung – insgesamt waren noch ca. 1.500 Euro offen, davon 800 Euro für Ersatzteile. Auch wenn der Unterbodenschutz auf Wachsbasis so nicht vereinbart war, entschloss ich mich zur Zahlung, da ich die Herausgabe nicht weiter herauszögern wollte.

Und um die Übergabe geht es dann im nächsten Teil!

Der Jeep bei der Leistungsstandsfeststellung
Der Jeep bei der Leistungsstandsfeststellung
Im Innenraum gestapelte Ersatzteile
Im Bild: Die liebevoll verstauten Ledersitze
Kratzer im Lack
Aufstellung der Ersatzteile in der Schlussrechnung